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1860 München 5 : 1 FC St. Pauli
 
01.03.2009 | 16:30 Uhr

Löwen demontieren den FC St. Pauli

Benjamin Lauth überlupft Fabio Morena und Keeper Mathias Hain zum 4:1.
Der höchsten Saisonniederlage (1:4 in Duisburg) ließen die Löwen gegen St. Pauli mit 5:1 den höchsten Sieg bei der Premiere von Uwe Wolf als Cheftrainer folgen. Lars Bender (7.), Manuel Schäffler (11.) und Fabian Johnson (22.) trafen innerhalb einer Viertelstunde zum 3:0. David Hoilett (33.) verkürzte auf 1:3, doch Benjamin Lauth (39.) stellte vor der Pause wieder den Drei-Tore-Vorsprung her. Torben Hoffmann setzte in der 76. Minute den Schlusspunkt.

Personal: Uwe Wolf musste in seinem ersten Spiel als Cheftrainer auf die verletzten Daniel Bierofka (Überdehnung der Adduktorenmuskulatur), Danny Schwarz (Muskelfaserriss), Antonio Di Salvo (Sehnenentzündung am Knie), Mate Ghvinianidze (Kapselverletzung und Teileinriss des vorderen Außenbandes im rechten Sprunggelenk), Markus Schroth (Aufbautraining) und Nikola Gulan (Kapselverletzung am linken Sprunggelenk) verzichten. Gregg Berhalter, José Holebas, Christoph Burkhard, Julian Baumgartlinger und Markus Krauss (3. TW) fanden keine Berücksichtigung. Sein Profi-Debüt auf der linken Abwehrseite gab Amateur Michael Schick, der zudem seinen 21. Geburtstag feierte.

Spielverlauf: Die erste Großchance des Spiels besaßen die Gäste. Nach einem Eckball von der rechten Seite durch Alexander Ludwig entwischte Carsten Rothenbach seinem Gegenspieler Mathieu Beda, sein Schuss aus sieben Meter konnte jedoch Debütant Michael Schick für den geschlagenen Torhüter Michael Hofmann auf der Linie klären (6.). Ein Minute später gingen die Löwen in Führung. Nach einem Eckball von der rechten Seite durch Antonio Rukavina kam Lars Bender am ersten Pfosten sträflich frei zum Kopfball, traf aus acht Metern ins kurze Eck (7.). Dieser Treffer war wie ein Befreiungsschlag für die Löwen gegen die defensiv äußerst schwach agierenden Hanseaten. In der 11. Minute sprintete Rukavina, nach Zuckerpass von Stefan Aigner, auf der rechten Seite bis zur Grundlinie, flankte dann flach und scharf ans vordere Torraumeck, wo Manuel Schäffler in den Ball grätschte und aus sieben Metern ins rechte untere Eck zum 2:0 traf (11.). Fast wäre Schäffler in der 21. Minute das „Tor des Monats" gelungen. Rukavina hatte von rechts einen Freistoß an den zweiten Pfosten geflankt, Beda und Torben Hoffmann behinderten sich beim Kopfball gegenseitig. Das Leder kam hoch zu Schäffler, der es mit einem artistischen Fallrückzieher aus elf Metern auf die Oberkante der Latte setzte (21.). Doch bereits im nächsten Angriffszug fiel das 3:0. Ein weiter Einwurf von Stefan Aigner von der rechten Seite ging über Freund und Feind hinweg, Fabian Johnson sprintet am Torraum in den Ball, setzte ihn trocken in die Maschen (22.). Nach einer guten halben Stunde kamen auch die Braun-Weißen zu Chancen. Zunächst lief David Hoilett Richtung Löwen-Tor, aber Schick grätschte ihm am Elfmeterpunkt den Ball vom Fuß (30.). Drei Minuten später konnte den Kanadier aber keiner mehr am Torschuss hindern. Die Löwen brachten das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Ralph Gunesch flankte aus halblinker Position scharf auf den zweiten Pfosten, wo Hoilett vom rechten Torraumeck volley ins lange Eck zum 1:3 traf (33.). Aber bereits drei Minuten später erneut eine Riesenchance für die Weiß-Blauen. Aigner schickte Schäffler auf der rechten Seite, der sich den Ball erlief. Seine Hereingabe hätte Rothenbach problemlos klären können, doch der Außenverteidiger rutschte weg. Johnson kam vollkommen frei aus neun Metern zum Schuss, drosch das Leder aber in die Wolken (36.). Wiederum drei Minuten später doch das 4:1. Hoffmann hatte einen Freistoß von der Mittellinie hoch vors Tor geflankt, Gunesch unterlief an der Strafraumgrenze den Ball, der hinter ihm aufsprang, Lauth bekam den Fuß dazwischen, überlupfte damit Fabio Morena und Torhüter Mathias Hain. Anschließend trudelte der Ball ins rechte Eck (39.).

Auch nach der Pause setzte sich die Dominanz der Löwen fort, wenngleich sie dem hohen Tempo der ersten 45 Minuten Tribut zollen mussten. In der 49. Minute wäre Schick in seinem ersten Spiel beinahe gleich sein erstes Tor gelungen. Johnson hatte ihn angespielt, der Linksverteidiger wurde nicht angegriffen, zog aufs Tor, schoss dann aus 14 Metern mit seinem schwächeren rechten Fuß, doch Hain konnte im Fallen mit den Füßen abwehren (49.). Zwei Minuten später flankte Rukavina von rechts in die Mitte, Lauth versuchte es mit einem Drehschuss aus zwölf Metern, verfehlte aber haarscharf den linken Pfosten (51.). Den Schlusspunkt des Torreigens setzte an diesem Tag Hoffmann in der 76. Minute. Schick hatte einen Eckball von der rechten Seite mit links vors Tor geflankt, der Innenverteidiger stieg am Torraum am höchsten und verlängerte Schäfflers Kopfballvorlage zum 5:1 in die Maschen (76.). Die Löwen hätten bei konsequenter Chancenverwertung sogar noch höher gewinnen können. So lief Schäffler in der 83. Minute alleine auf Keeper Hain zu, wollte ihn an der Strafraumgrenze mit einem Übersteiger narren, doch der St.-Pauli-Torhüter erwischte den Ball mit den Füßen. Trotzdem feierten die Sechziger mit 5:1 den höchsten Sieg der Saison 2008/2009.


Stimmen zum Spiel

Uwe Wolf zeigte sich nach seiner Premiere als Cheftrainer zufrieden. „Die Mannschaft hat das umgesetzt, was wir von ihr die Woche über gefordert haben. Wir wollten 100 Prozent Einsatz von der ersten bis zur letzten Minute. Das hat sie gezeigt." Über 90 Minuten konnte man St. Pauli vom eigenen Tor weitgehend weghalten. Über sein Rezept im Gegensatz zu seinem Vorgänger Marco Kurz befragt, meinte der 41-Jährige. „Wir haben einige Punkte geändert. Außerdem habe ich den Spielern klar gemacht, dass sie konzentriert ihren Beruf ausüben müssen. Wer mit dem Löwen auf der Brust aufläuft, dem muss klar sein, dass er Fußball arbeiten muss. Das erwarten die Fans."

Sein Hamburger Kollege, Holger Stanislawski, gratulierte Wolf zu seinem „tollen Einstand als Cheftrainer". Ansonsten fiel sein Fazit kurz aus. „Es wäre vernichtend für meine Mannschaft, wenn ich jetzt ins Detail gehen würde. Wir waren in allen Belangen unterlegen und haben auch in der Höhe verdient verloren."

„Es war für uns ein kleiner Befreiungsschlag", sagte Benny Lauth, der für den verletzten Daniel Bierofka die Binde trug. „Wir haben die Einladung zum Tore schießen dankend angenommen, sind gut ins Spiel gekommen und konnten gleich vorlegen. Im Gegensatz zum letzten Heimspiel gegen Ahlen haben wir auch mit der Führung im Rücken nicht aufgehört, Fußball zu spielen." Der neue Trainer habe das Team gut auf dieses wichtige Spiel eingestellt. „Er hat ein Zeichen gegeben, das die Mannschaft auf dem Platz umgesetzt hat. Unter der Woche konnte man schon im Training merken, dass härter um die Plätze gekämpft wird. Das ist normal nach einem Trainerwechsel. Die Spieler, die hinten dran stehen, riechen wieder Lunte." Außerdem habe die Mannschaft kapiert, was der Trainer wollte. „Mehr Sicherheit und Selbstvertrauen wie durch einen solchen Sieg kann man sich nicht holen", so der Stürmer. „Da müssen wir jetzt weiter machen, wenn auch klar ist, dass man nicht jedes Spiel so wie gegen St. Pauli arbeiten kann."

Innenverteidiger Torben Hoffman war ein Gewinner des Trainerwechsels. „Ich bin froh, dass Uwe Wolf die eine oder andere Änderung in der Aufstellung vorgenommen hat. Ich denke, dass wir ihm dieses Vertrauen zurückgezahlt haben. Die Einstellung der Mannschaft war sensationell. Wir haben St. Pauli frühzeitig unter Druck gesetzt. Eine solche couragierte Leistung müssen wir aber in jedem Spiel abrufen." Als weiteren Grund für den Wandel erkannte der gebürtige Kieler, dass „wir von der ersten Minute an kommuniziert haben. Wir hatten auf den Schlüsselpositionen auch lautstarke Spieler." Auf die Frage, ob er eine Weiterverpflichtung des Trainers begrüßen würde, sagte der 34-Jährige. „Wir Spieler sind nicht die Entscheidungsträger im Verein. Aber wir haben Uwe mit unserer Leistung sicher geholfen."

Ähnlich sah es auch Sportdirektor Miroslav Stevic. „Der Trainer und die Mannschaft haben die beste Antwort gegeben. Uwe Wolf verkörpert alles, was dieser Verein ausmacht. Entscheidend ist, dass der Trainer die Mannschaft erreicht und wir so weiterspielen. Was gut ist, werde ich nicht ändern. Mein Wusch ist, dass Uwe bis zum Saisonende so weitermacht." Aber auch dem Team sprach er ein Kompliment aus. „Es hat den Druck nach dem Trainerwechsel standgehalten, die beste Antwort gegeben und sein Potenzial abgerufen." Ein Ziel gegen St. Pauli sei gewesen, „die Leute sprachlos zu machen". Das sei gelungen. „Ich freue mich unheimlich, dass die Jungs Charakter gezeigt haben. So können sich die Fans voll mit der Mannschaft identifizieren. An einen Sieg in einer solchen Höhe hatte ich nie gedacht." Jetzt könne die Mannschaft einen Tag feiern. „Ab Montag muss sie sich auf das nächste Spiel konzentrieren. Sie muss versuchen, diese Leidenschaft Woche für Woche abzurufen."
 
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