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1860 München 1 : 1 VfL Osnabrück
 
05.04.2009 | 16:00 Uhr

Löwen mit zwei Gesichtern

Torben Hoffmann überlupft in dieser Szene Timo Berbig, aber der Ball landete einige Meter neben dem Tor.
Die Löwen zeigten gegen den VfL Osnabrück beim 1:1 zwei Gesichter. Nach einer „desolaten Leistung" (Uwe Wolf) in der 1. Halbzeit und dem Treffer durch Matthias Heidrich lagen die Sechziger vollkommen verdient mit 0:1 zurück (15.). Im zweiten Durchgang machten die Weiß-Blauen mächtig Druck, kamen durch den 11. Saisontreffer durch Benjamin Lauth in der 57. Minute zum gerechten Ausgleich.

Personal: Trainer Uwe Wolf musste im Heimspiel gegen Osnabrück auf Antonio Rukavina (Gelb-Sperre), Daniel Bierofka (Schambeinentzündung), Antonio Di Salvo (Sehnenentzündung am Knie), Mate Ghvinianidze (Grippe), Markus Schroth (Aufbautraining), Lars Bender (Muskelfaserriss) und Markus Krauss (Teileinriss Innenband im Knie) verzichten. Nicht für den 18-Mann-Kader berücksichtigt waren Florian Jungwirth, Christoph Burkhard und Benjamin Schwarz.

Spielverlauf: Die Löwen präsentierten sich von Beginn an mit einer hohen Fehlerquote, ließen sich von den aggressiv auftretenden Gästen immer wieder den Schneid abkaufen, standen viel zu weit vom Gegner weg. Folgerichtig hatte Osnabrück immer wieder Chancen, während die Weiß-Blauen kaum vors VfL Tor kamen. Die erste gefährliche Situation mussten die Löwen in der 5. Minute überstehen. Dominic Peitz kam am Strafraum halblinks an den Ball, zog Richtung Grundlinie, flankte anschließend an den ersten Pfosten, wo Marvin Braun am linken Torraumeck das Leder nur knapp verpasste. Piere de Witt besaß die nächste Chance für die Niedersachsen. Der Mittelfeldspieler kam zwei Meter vor dem Löwen-Strafraum zum Schuss, aber zum Glück fälschte ein 1860-Verteidiger den Ball noch zur Ecke ab. Der anschließende Eckball wurde zunächst abgewehrt, Thomas Cichon schlug das Leder aus dem rechten Halbfeld hoch an den zweiten Pfosten, wo Nico Frommer aus sieben Metern zum Kopfball kam, aber Keeper Michael Hofmann konnte parieren (10.). In der 15. Minute war es dann passiert. In der Vorwärtsbewegung verloren die Löwen in der VfL-Hälfte den Ball, Marvin Braun bekam an der Mittellinie das Leder zugespielt, passte zentral in die Schnittstelle der Innenverteidigung, halbrechts war Matthias Heidrich gestartet, erlief sich den Ball, hängte Torben Hoffmann ab und traf aus 15 Metern mit links durch die Beine von Keeper Michael Hofmann zum 1:0 für Osnabrück (15.). Die erste nennenswerte Offensivaktion hatten die Löwen in der 24. Minute. Nach einem Einwurf von Nikolas Ledgerwood auf der rechten Seite setzte sich Sascha Rösler am vorderen Strafraumeck gegen zwei VfL-Spieler gekonnt durch, legte auf Sven Bender ab, der aus 19 Metern aber knapp am rechten Pfosten vorbeizielte. Nach einem Riesenschnitzer von Manuel Schäffler zehn Meter vorm eigenen Strafraum besaß der VfL die nächste Chance. Der Löwen-Stürmer legte genau für Pierre de Witt auf. Hofmann konnte aber den 23-Meter-Schuss des 31-Jährigen parieren (34.). Fast im Gegenzug die beste Möglichkeit der Sechziger vor der Pause. Hofmann hatte aus den Händen abgeschlagen, Schäffler verlängerte den Ball per Kopf, Thomas Cichon ließ das Leder passieren, wodurch Benjamin Lauth alleine auf Torhüter Timo Berbig zulief, den Ball aber zu weit links an ihm vorbeilegte, sodass er im Tor-Aus landete (35.). Eine Führung zu diesem Zeitpunkt wäre für die Löwen aber auch des Guten zu viel gewesen.

Eine ganz andere Löwen-Mannschaft präsentierte sich nach der Pause. Zudem zeigte Trainer Uwe Wolf mit seiner Umstellung ein glückliches Händchen. José Holebas kam für Sascha Rösler, wechselte auf die linke Seite, dadurch agierte Fabian Johnson zentral. Und der 21-Jährige gab dem Spiel der Sechziger die in der 1. Halbzeit vermissten Impulse. Die Weiß-Blauen setzten die Gäste nun permanent unter Druck. In der 48. Minute war es Hoffmann, der den Einwurf von der linken Seite bis an den Torraum brachte, Schäffler verlängerte mit dem Kopf, Keeper Berbig flog am Ball vorbei. Zwar kam Sven Bender aus neun Metern zum Kopfball, konnte das Leder aber nicht platziert aufs leere Tor bringen. Besser lief es in der 57. Minute. Sechzig setzte Osnabrück am eigenen Strafraum unter Druck, Johnson kam auf der rechten Seite an den Ball, flankte flach in die Mitte, wo Lauth mit einem Seitfallzieher aus neun Metern ins kurze rechte Eck zum 1:1 traf (57.). Danach hatten die Löwen nach Standards noch einige gute Szene, ohne aber zum entscheidenden Abschluss zu kommen. In der letzten Viertelstunde war die Partie wieder absolut offen. Die Sechziger mussten ihrer kraftraubenden Aufholjagd Tribut zollen, Osnabrück konterte und hätte beinahe doch noch den Siegtreffer erzielt. In der 80. Minute kam der eingewechselte Thomas Reichenberger auf der rechten Seite zum Flanken, Markus Thorandt stand zu weit von Heidrich weg, der aus fünf Metern aber an die Querlatte köpfte. So blieb es bei einem gerechten Remis nach zwei grundverschiedenen Halbzeiten.


Stimmen zum Spiel

Löwen-Trainer Uwe Wolf war absolut unzufrieden mit der 1. Halbzeit seines Teams. „Wir trainieren die ganze Woche betontes Flügelspiel, Spielverlagerung und Zweikämpfe - und dann liefern wir eine desolate 1. Halbzeit ab. Wir waren nicht aggressiv genug, haben einfach nicht die Räume zubekommen." Der 41-Jährige freute sich, dass der Wechsel zur Halbzeit (Holebas für Rösler) aufging. „Die 33.000 Zuschauer, die für Sechzig waren, haben uns nach vorne getrieben. Wir haben folgerichtig das 1:1 gemacht." Danach sei sein Team durch Standards weiterhin gefährlich gewesen. „In den letzten 15 Minuten waren wir dann zu unkonzentriert im Passspiel und hatten Glück bei dem Lattentreffer. Das Unentschieden geht meiner Meinung nach in Ordnung." Dem Gegner wünschte er alles Gute für den Rest der Saison. „Osnabrück hat gezeigt, dass sie in die Zweite Liga gehören."

VfL-Trainer Claus-Dieter „Pelé" Wollitz freute sich darüber, dass seine Mannschaft die Vorgaben voll umgesetzt hatte. „Genau das, was wir uns vorgenommen haben, haben wir in der 1. Halbzeit, speziell in den ersten 35 Minuten, gezeigt und zurecht das Tor gemacht." Danach habe aber seinem Team die „Frechheit" gefehlt, nochmals nachzulegen. „Es war klar, dass nach der Halbzeit mehr Druck von den Löwen kommt." Dabei machte er seinem Kontrahenten Wolf ein Kompliment wegen dessen taktischer Umstellung, bemängelte aber auch das Verhalten seiner Mannschaft vorm 1:1. „Da können wir zweimal den Ball wegschlagen, schaffen es aber einfach nicht. Lauth hat dann bei dem Seitfallzieher seine ganze Qualität gezeigt. Solche Tore machen nicht viele." In der Schlussviertelstunde habe man nochmals die Möglichkeit gehabt, das Spiel zu gewinnen. „Es wäre nicht unverdient gewesen", so der Ex-Profi, der seinem Kapitän Thomas Reichenberger ein Kompliment aussprach. „Er hätte in München von Beginn an gespielt, kam aber am Donnerstag zu mir und hat gesagt, dass er müde ist. Dazu kam noch ein grippaler Infekt. Er hat also freiwillig auf einen Platz in der Startelf verzichtet. Das war eine Riesengeste!"

Löwen-Profi Stefan Aigner übte schonungslose Selbstkritik. „Wir haben brutal schlecht angefangen. Ich habe Fehlpässe gemacht, bin überhaupt nicht an meinem Gegenspieler vorbeigekommen. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen." Er habe Respekt vor Osnabrück, „aber ein Punkt ist einfach zu wenig, vor allem, wenn man vor 35.000 Zuschauern spielt. Gegen Fürth haben wir trotz der 0:1-Niederlage eine Klasse besser gespielt".

Torschütze Benjamin Lauth sah ein ähnliches Spiel wie gegen den FSV Frankfurt. „Wieder sind wir zu Hause in Rückstand geraten und haben zu lange gebraucht, um ins Spiel zu finden." Der 27-Jährige sprach von zwei verschiedenen Halbzeiten. „Wir sind ganz schlecht reingekommen. Erst nach der Pause ist es uns gelungen, frühzeitig vorne drauf zu gehen und die Bälle zu erobern." Auch Lauth sah, dass es am Ende nochmals eng wurde. „In den letzten zehn Minuten waren wir nach der Aufholjagd leer, die Temperaturen kamen dazu. Vielleicht hätten wir nach dem 1:1 den Druck etwas rausnehmen sollen." Mit zwei Punkten aus den letzten drei Spielen könnte man aber nicht zufrieden sein. „Das ist unterm Strich einfach zu wenig."

VfL-Torjäger Thomas Reichenberger freute sich über die Vorstellung seiner Mannschaft in München. „In den ersten 25 Minuten haben wir mehr als vernünftig gespielt. Die Gegner merken langsam, dass in Osnabrück ordentlich Fußball gespielt wird." Für sein Team war es überhaupt das erste Mal in dieser Saison, dass es auswärts in Führung ging. „Wir hatten viele Torchancen, leider haben wir nur einen Punkt geholt."
 
Stenogramm zum Spiel
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