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1860 München 1 : 1 1. FC Kaiserslautern
 
20.04.2009 | 22:00 Uhr

Dramatik pur zwischen Löwen und Roten Teufeln

Michael Hofmann parierte in der 85. Minute einen Elfmeter von Lauterns Anel Dzaka.
Es war kein gewöhnliches 1:1 zwischen dem TSV 1860 München und dem 1. FC Kaiserslautern, sondern ein Spiel das - gerade in der Schlussphase - an Dramatik nichts zu Wünschen übrig ließ. Michael Schick hatte die Löwen durch einen sehenswerten Freistoß aus 20 Metern in Führung gebracht (6.), Erik Jendrisek glich in der 27. Minute aus.

Personal: Im Heimspiel gegen den FCK musste Trainer Uwe Wolf auf Daniel Bierofka (Muskelprobleme), Danny Schwarz (Kapselverletzung im Sprunggelenk), Antonio Di Salvo (Sehnenentzündung am Knie), Sascha Rösler (Trainingsrückstand), Markus Schroth (Aufbautraining), Benjamin Schwarz (Knieprobleme) und Markus Krauss (Teileinriss Innenband im Knie) verzichten.

Spielverlauf: Diesmal waren die Löwen von Beginn an hellwach und schafften zu Hause eine schnelle Führung. Dazu diente eine Standardsituation. Einen Freistoß aus halblinker Position zirkelte Michael Schick mit links über die Mauer, traf genau unter die Latte des kurzen Ecks. „Unhaltbar", nannte später FCK-Trainer Milan Sasic diesen Treffer (6.). Bereits drei Minuten später hätten die Weiß-Blauen nachlegen können. Lars Bender spielte aus einer Kontersituation steil auf die rechte Seite, wo Manuel Schäffler gestartet war. Der 20-Jährige drang halbrechts in den Strafraum ein, wollte auf den mitgelaufenen Benjamin Lauth am zweiten Pfosten flanken, aber das Zuspiel landete im Tor-Aus (9.). Eine gute Chance vertan! Aber auch die Gäste hatten ihre Möglichkeiten in dem munteren Spiel. In der 17. Minute setzte sich Alexander Bugera auf der linken Seite durch, flankte an den zweiten Pfosten, wo Kai Hesse aus kurzer Distanz frei zum Schuss kam, aber Löwen-Keeper Michael Hofmann per Reflex glänzend reagierte. Zehn Minuten später war aber auch er machtlos. Diesmal war es Hesse selbst, der auf der rechten Seite zum Flanken kam. Die flache Hereingabe erlief sich Erik Jendrisek im Laufduell mit Torben Hoffmann, drückte aus sieben Metern das Leder unhaltbar für Keeper Hofmann ins rechte untere Eck zum 1:1ein (27.) Danach hatten die Pfälzer die Oberhand, doch Tore fielen bis zur Pause keine mehr.

Im zweiten Durchgang waren zunächst wieder die Löwen am Drücker. In der 52. Minute besaß Fabian Johnson die Chance zur erneuten Führung. Lauth hatte Stefan Aigner auf dem rechten Flügel angespielt, der flankte quer durch den gesamten Strafraum, Johnson kam auf der linken Seite ans Leder, sein Neun-Meter-Schuss aus spitzem Winkel konnte Torhüter Sippel gerade noch mit dem Fuß parieren. Fünf Minuten später passte Johnson auf Lauth, der leitete direkt auf halbrechts zu Schäffler weiter. Ein FCK-Verteidiger konnte aber gerade noch vor dem schussbereiten Löwen-Stürmer zur Ecke klären. Diese flankte Antonio Rukavina an den ersten Pfosten, wo Schäffler ans Leder kam, doch sein Kopfball wurde erneut geblockt (57.). In die Löwen-Drangphase hinein konterten die Gäste. Anel Dzaka spielte Jendrisek auf halblinks im Strafraum an, dessen Schuss aus zwölf Metern landete jedoch am linken Außennetz (60.). Vier Minuten später drehte Dzaka aus halblinker Position einen Freistoß gefährlich vors Löwen-Tor, Dario Damjanovic verpasste das Leder freistehend am Torraum nur knapp (64.). Noch größer war die Chance zur Führung für die Pfälzer in der 67. Minute. Bugera hatte von links über die Abwehr geflankt, Hesse kam völlig unbedrängt am zweiten Pfosten aus sechs Metern zum Kopfball, konnte das Leder aber nicht platzieren. Aber die Schlussviertelstunde sollte noch intensiver und spannender werden, als die 75 Minuten zuvor. Eingeläutet wurde sie von einem Pfostentreffer durch Lars Bender. Nach einem Freistoß von halbrechts, den Schick mit links hoch in die Mitte flankte, konnte Sippel das Leder nicht festhalten. Das fiel Lars Bender vor die Füße, der aus acht Metern nur den linken Innenpfosten traf (76.). In der 84. Minute gab es nach einem unnötigen Foul von Mathieu Beda 22 Meter vor dem Löwen-Tor einen Freistoß für die Roten Teufel. Dzaka schoss den Ball in die Mauer. Plötzlich ertönte ein Pfiff und Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte zum Entsetzen der Sechzger auf den Elfmeterpunkt. Der Unparteiische wollte ein absichtliches Handspiel von José Holebas gesehen haben (84.). Dzaka lief an, Hofmann ahnte die Ecke und hielt den Elfer (85.). Aber damit der Aufregung nicht genug. Drei Minute später eine krasse Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns gegen die Löwen. Lauth war mustergültig freigespielt worden, Torhüter Sippel konnte gerade noch außerhalb seines Strafraums vor dem Löwen-Torjäger mit einer Grätsche klären. Das Leder kam zu Johnson, der aus 30 Metern den Ball mit viel Gefühl aufs leere Tor hob. Das Leder sprang an die Unterkante der Latte, anschließend hinter der Linie auf und dann wieder zurück in den Torraum. Doch die Fahne von Linienrichter Markus Häcker blieb unten (88.). Eine Fehlentscheidung, die letztlich den TSV 1860 zwei Punkte kostete und Kaiserslautern weiter im Aufstiegsrennen hält!


Stimmen zum Spiel

Löwen-Trainer Uwe Wolf fand, dass sein Team gut ins Spiel gekommen sei. „Das war ein super Freistoß von Michael Schick. Das war genau der Grund, wieso ich ihn zu den Profis geholt habe", so der 41-Jährige zum ersten Zweitliga-Treffer des 20-Jährigen. „Leider haben wir es versäumt, drei Minuten später nachzulegen, als Manuel Schäffler den Pass auf Benny Lauth unsauber gespielt hat. Beim 1:1 sind wir in einen Konter gelaufen, haben danach den Rhythmus verloren." Nach der Pause habe sein Team wieder mehr ins Spiel investiert. „Da hat die Laufbereitschaft gestimmt. Natürlich sind wir mit dem einen Punkt nicht so zufrieden wie der FCK. Ich wünsche mir, dass wir mal wieder ein reguläres Tor auch anerkannt bekommen", sagte Wolf mit Blick auf die Szene in der 88. Minute. „Schade, dass der Linienrichter nicht die Schnelligkeit von Fabian Johnson besaß", monierte er die schlechte Position des Assistenten an der Außenlinie. „Vielleicht sollte man beim DFB mal die Fitnessregeln etwas strenger ansetzen." Unterm Strich lobte er seine Mannschaft. „Sie hat ein klasse Fußballspiel abgeliefert. Diese Partie hat gezeigt, dass beide Traditionsvereine eigentlich in die Erste Liga gehören."

Lauterns Coach Milan Sasic geriet sogar mit Blick auf die 90 Minuten ins Schwärmen. „Es gibt gute Gründe ins Stadion zu kommen und Fußball zu gucken", so der 50-Jährige. „Heute hat es sich sicher für alle Zuschauer gelohnt. Es wurde alles geboten: Enttäuschung und Freude - in beide Richtungen. Wenn mich jemand fragen würde, was mir lieber wäre, zwei Punkte mehr oder so ein Spiel, ich müsste ernsthaft überlegen!" Sasic sah sein Team in der 1. Halbzeit bereits im Vorteil. „Sechzig ist aber durch einen Standard in Führung gegangen. Das ist uns nicht das erste Mal in dieser Spielzeit passiert", ärgerte sich der Kroate. „Aber wir hatten danach noch einige Top-Chancen. Ich habe heute eine Lauterer Mannschaft gesehen, die alles versucht und Fußball gespielt hat. Auch in der 2. Halbzeit haben wir mehr investiert als der Gegner, auch wenn Sechzig ein Tor geschossen hat, das der Schiedsrichter zu unrecht nicht gegeben hat."

„Das 1:1 ist nicht genug", ärgerte sich Löwen-Torhüter Michael Hofmann, der seinen vierten Elfmeter in seiner Profi-Karriere hielt, davon allein drei gegen Kaiserslautern! Die Entscheidung, die zum Strafstoß führte, konnte er nicht ganz nachvollziehen. „Es ist immer schwer, einen Elfmeter gegen einen Spieler zu pfeifen, der in der Mauer steht. Der Schiedsrichter hätte uns wenigstens ein Happyend bescheren können, wenn er das Tor von Fabian Johnson pfeift." Aufgrund der guten Mannschaftsleistung sei der Punkt zu wenig. „Die permanenten 1:1-Unentschieden zu Hause bringen uns auf Dauer nicht weiter. Gegen Oberhausen und Augsburg brauchen wir Minimum drei Punkte, damit der Verein frühzeitig für die kommende Saison planen kann."

Kapitän Benjamin Lauth fand das Unentschieden ärgerlich. „Zum Schluss gab es ein paar Entscheidungen gegen uns, die ich anders gesehen habe. Aufgrund der letzten Minuten hätten wir den Sieg verdient", so das Fazit des 27-Jährigen. Zum nicht gegebenen Treffer meinte Lauth: „Bei so einem langen Ball sollte der Linienrichter eigentlich sehen, dass er hinter der Linie ist." Man hätte das Heimspiel gerne gewonnen, „aber wenigstens verlieren wir die Spiele zu Hause nicht mehr", gewann der Stürmer der Punkteteilung etwas Gutes ab. Er habe, was die Einstellung betrifft, eine gute Löwen-Mannschaft gesehen. „Das Auftreten gegen Kaiserslautern müssen wir in die Auswärtsspiele mitnehmen. Wir sind besser als Oberhausen. Das müssen wir aber auf dem Platz zeigen", fordert der Stürmer von sich und seinen Kollegen.

„Eigentlich wollte ich nie mehr was zu Schiedsrichtern sagen", echauffierte sich Torben Hoffmann. „Die pfeifen Dinge, die es gar nicht gibt, und klare Sachen sehen sie nicht!" Für die Zuschauer hatte er aber ein Kompliment parat. „Das war Wahnsinn, wie sie uns nach vorne gepusht haben. Mit dem einen Punkt können wir nicht zufrieden sein. Wir hatten Möglichkeiten, dieses Spiel zu gewinnen. Diese grenzwertigen Entscheidungen haben uns letztlich den Dreier gekostet." Nach dem gehaltenen Elfmeter durch Michael Hofmann sei nochmals ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. „Leider sind wir aber dafür nicht belohnt worden."
 
Stenogramm zum Spiel
Das Spiel im Löwen TV (kostenpflichtig)
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