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1860 München 3 : 3 Hansa Rostock
 
08.05.2009 | 20:00 Uhr

Wechselbad der Gefühle: Rösler trifft in der Nachspielzeit

Sascha Rösler traf in der Nachspielzeit mit einem fulminanten Freistoß zum 3:3.
Die Löwen-Fans erlebten ein Wechselbad der Gefühle beim 3:3 gegen Hansa Rostock. Der Führung durch Manuel Schäffler in der 19. Minute folgten bis zur Pause zwei Treffer der Gäste durch Enrico Kern (34.) und Mario Fillinger (45.) Benjamin Lauth schaffte in der 56. Minute den erneuten Ausgleich. In der Schlussphase überschlugen sich die Ereignisse: Abseitstor durch Schäffler (84.), im Gegenzug die erneute Hansa-Führung durch Kern (85.), ehe in der Nachspielzeit Sascha Rösler per Freistoß-Hammer zum 3:3-Endstand traf.

Personal: Verletzungsbedingt musste Trainer Uwe Wolf gegen Rostock auf Michael Hofmann (Rückenproblem), Daniel Bierofka (Muskelprobleme), Antonio Di Salvo (Sehnenentzündung am Knie), Sven Bender (Prellung), Markus Schroth (Aufbautraining) und Benjamin Schwarz (Knieprobleme) verzichten. Florian Jungwirth, Marvin Pourie, Christoph Burkhard und Julian Baumgartlinger spielten am gleichen Abend in der Regionalliga-Mannschaft beim SSV Ulm 1846.

Spielverlauf: Von Beginn an entwickelte sich ein hart umkämpftes Spiel. Lange neutralisierten sich beide Teams, ehe die Löwen mit der ersten guten Chance die Führung erzielten. Mathieu Beda hatte einen Freistoß über den Rücken der Innenverteidigung in den Strafraum gespielt, Manuel Schäffler pflückte den Ball aus der Luft, umkurvte am linken Torraumeck Kai Bülow, der sich düpieren ließ. Im Fallen traf der Löwen-Stürmer unhaltbar für Hansa-Keeper Jörg Hahnel ins lange Eck zur Führung (19.). Besser hätte es für die Hausherren kaum beginnen können. Doch durch einen individuellen Fehler machten sie sich diesen Vorteil selbst zunichte. Einen Eckball von links flankte Martin Retov mit rechts an den Torraum, Schäffler ließ Enrico Kern aus fünf Metern frei köpfen, Antonio Rukavina auf der Linie versuchte zwar noch zu klären, lenkte den Ball aber zum 1:1 ins eigene Tor ab (34.). Aber es sollte noch schlimmer kommen. In der letzten Minute vor der Pause kam Kevin Schindler zum Flanken. Die harmlose Hereingabe wollte Markus Thorandt klären, der aber das Leder nicht richtig traf. Mario Fillinger konnte sich an der Strafraumgrenze gegen Beda durchsetzen, der beim Abwehrversuch wegrutschte, sodass der Hansa-Mittelfeldspieler frei zum Schuss kam und aus elf Metern genau ins rechte untere Eck traf (45.).

Nach der Pause kam Danny Schwarz für den verletzten Lars Bender. Die Löwen traten nun wieder lauffreudiger und aggressiver in den Zweikämpfen auf und kamen zu Chancen. Erst spielte Rukavina Lauth im Strafraum an, der mit einem Drehschuss vom rechten Torraumeck knapp am linken Pfosten vorbeizielte (49.). Drei Minuten später scheiterte Danny Schwarz aus spitzem Winkel aus zehn Metern am Hansa-Keeper, der den Schuss zur Ecke faustete (52.). In der 56. Minute wurden dann die Bemühungen der Weiß-Blauen belohnt. Torben Hoffmann überwarf mit einem Einwurf auf der linken Seite die Rostocker Verteidiger, die Steilvorlage nahm Fabian Johnson auf, der fast von der Grundlinie quer in die Mitte legte, wo der heranstürmende Lauth aus vier Metern nur noch zum 2:2 eindrücken brauchte. Unverständlicherweise verloren die Löwen nach dem Ausgleich erneut den Faden, vor allem, weil es Rostock immer wieder schaffte, sich Überzahl-Situationen zu erspielen. Zudem standen die Sechziger zu weit von ihren Gegenspielern weg. Exemplarisch die Szene in der 69. Minute, als Kern mit dem Ball am Fuß durch den gesamten Löwen-Strafraum spazierte und erst am Torraum von Mate Ghvinianidze entscheidend gestört werden konnte (69.). Auch in der Folge hatte Hansa noch einige Konterchancen. Plötzlich lag aber der Ball auf der Gegenseite im Tor. Rukavina hatte vom rechten Strafraumeck mit links vors Tor geflankt, Schäffler lief in den Ball, drückte ihn aus sieben Metern unter die Latte. Doch der Linienrichter hob sofort die Fahne (84.). Schäffler stand etwa einen halben Meter im Abseits. Im direkten Gegenzug kam Fillinger auf der rechten Seite unbedrängt zum Flanken, Löwen-Keeper Tschauner segelte unter dem Ball hindurch, Kern war erneut zur Stelle, traf per Kopf aus sechs Metern zum 3:2 ins leere Tor (85.). Danach setzte Trainer Uwe Wolf alles auf eine Karte, brachte für Innenverteidiger Thorandt Stürmer Sascha Rösler. Torchancen blieben aber zunächst aus - bis zur 3. Minute der Nachspielzeit, als Schiedsrichter Lutz Wagner einen Zweikampf zwischen den Rostocker Spielern Orestes und Gledson mit Rösler als Foul wertete. Den fälligen Freistoß in halbrechter Position hämmerte Rösler aus 20 Metern mit einer enormen Wucht, bei dem sich der ganze Frust der letzten Wochen entlud, mit links ins rechte Kreuzeck zum 3:3. Danach war Schluss. Mit diesem Remis konnten die Löwen zumindest unter Wolf den Heimnimbus bewahren und Rostock in der Tabelle auf Distanz halten.


Stimmen zum Spiel

„Wenn man das 3:3 in letzter Sekunde erzielt, dann fühlt sich das Remis wie ein Sieg an", brachte Löwen-Trainer Uwe Wolf das Spiel auf den Punkt. „Positiv war die 1:0-Führung gewesen. Aber Mitte der 1. Halbzeit kamen wir plötzlich nicht mehr in die Zweikämpfe", analysierte der Fußball-Lehrer. „Vielleicht lag das auch daran, dass sich Lars Bender mit der Verletzung bis in die Halbzeit geschleppt hat. Bitter auch das 1:2 kurz vor der Pause." Nach dem Ausgleich habe sich seine Mannschaft „zu viele Gedanken gemacht. Wir waren plötzlich wie gelähmt im Mittelfeld". Positiv fand der 41-Jährige die Reaktion nach dem 2:3. „Die Mannschaft hat an sich geglaubt. Besonders freut mich, dass Sascha Rösler das 3:3 gelungen ist. Er musste viel Kritik einstecken. Dieser Punkt war enorm wichtig, weil wir dadurch Rostock auf Abstand halten konnten. Jetzt müssen wir am Dienstag in Wehen gewinnen." Insgesamt bemängelte Wolf aber die „vielen individuellen Fehler".

Rostocks Andreas Zachhuber hatte „ein tolles Fußballspiel" gesehen. „Sechs Tore - Fußballherz was willst du mehr?!", so der Gästecoach. „Wir waren über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft. Neben den drei Toren, die wir gemacht haben, hatten wir noch sechs hundertprozentige Chancen." Beim Freistoß, der zum 3:3 führte, fühlte sich Zachhuber benachteiligt. „So eine Entscheidung habe ich noch nie gesehen. Der Linienrichter hebt auf der Seite die Fahne, während der Schiedsrichter direkt nebendran steht." Trotzdem kann Zachhuber mit dem Remis leben. „Wir nehmen den Punkt mit und konzentrieren uns jetzt auf das Heimspiel gegen Augsburg. Dieses Jahr werden wohl 40 Punkte kaum zum Klassenerhalt reichen, weil alle Mannschaften hinten punkten", orakelte der Hansa-Coach.

„Zur Zeit fehlt uns das Glück", so Löwen-Kapitän Benjamin Lauth in Anspielung auf das Abseitstor von Manuel Schäffler. „In diesem Spiel ging es um keinen Schönheitspreis, sondern um Punkte." Wie so oft habe man nach der Führung das Spiel wieder aus der Hand gegeben. „Erneut mussten wir einem Rückstand hinterher rennen. Das hat viel Kraft gekostet." Das Freistoß-Tor von Rösler kam für ihn nicht überraschend. „Über Saschas linken Fuß und seine Qualität braucht man nicht zu reden. Ich hoffe, dass ihm dieses Tor Auftrieb gibt." Die Moral habe gestimmt. „Das hat man daran gesehen, dass wir bis zum Schluss gekämpft haben. Leider sind uns wieder zu viele Fehler unterlaufen, um das Spiel gewinnen zu können." Für Trainer Uwe Wolf brach der 27-Jährige eine Lanze: „An ihm liegt es nicht. Uwe ist mit viel Herzblut bei der Sache. Wir haben eine gute Ausgangsposition, sollten nicht die Nerven verlieren, denn wir können es nach wie vor selbst entscheiden."

Ähnlich sieht es auch Verteidiger Torben Hoffmann. „Wir stehen noch nicht auf einem Relegationsplatz, haben es nach wie vor selbst in den Händen. Ich bin froh, dass wir wenigstens noch den Punkt geholt haben und Rostock auf Abstand halten konnten." Der 34-Jährige bemängelte aber die vielen individuellen Fehler. „Die müssen wir abstellen, dann kommen wir nicht in eine solche Situation. Rostock hätte sonst kein Tor erzielt. Aber wir schmeißen uns die Tore selbst rein ..." Hoffmann fordert aber mehr Konzentration. „Wir müssen an einem Strang ziehen und die individuellen Fehler abstellen. Unsere derzeitige Situation ist nicht angenehm, aber als Profi muss man damit umgehen können."
 
Stenogramm zum Spiel
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