Eine Energieleistung von zehn Löwen, nachdem Charilos Pappas bereits in der 8. Minute die Rote Karte sah, und zwei Tore von Stefan Aigner (23. und 57.) beim zwischenzeitlichen Ausgleich von Marius Ebbers (51.), bescherten den Löwen im „Jubiläumsspiel" gegen den FC St. Pauli einen 2:1-Erfolg. Der TSV 1860 war zu diesem Spiel in grün-goldenen Trikots, entsprechend der Vereinsfarbe, anlässlich des 150-jährigen Bestehens aufgelaufen.Personal: Verletzungsbedingt musste Trainer Ewald Lienen gegen St. Pauli auf Daniel Bierofka (Aufbautraining), Florin Lovin (Reha nach Kreuzbandriss) und Michael Hofmann (Jochbein- und Kiefer-OP) verzichten. Kurzfristig fielen noch die bereits angeschlagenen Spieler Mathieu Beda (Knieprobleme) und Benjamin Lauth (Wadenprobleme) aus sowie José Holebas mit einer Grippe. Nach dem Warmmachen musste auch noch Eke Uzoma (Muskelverhärtung) passen. Dadurch ergaben sich im Vergleich zur Vorwoche einige Änderungen in der Startaufstellung: Radhouéne Felhi rückte für Beda in die Innenverteidigung, Mate Ghvinianidze kehrte dorthin für Torben Hoffmann zurück, Sandro Kaiser ersetzte Holebas auf der linken Abwehrseite, Djordje Rakic stürmte für Lauth und Dominik Stahl kam für den gelbgesperrten Alexander Ludwig im Mittelfeld zum Einsatz.
Spielverlauf: Für das erste Ausrufezeichen des Spiels sorgte Schiedsrichter Manuel Gräfe, der nach einer unglücklichen Aktion von Charilaos Pappas sofort Rot zeigte (8.). Fabian Boll hatte den kleinen Griechen gefoult, Gräfe ließ weiterspielen, Pappas grätschte ihn anschließend übermotiviert von vorne an der Mittellinie um. Aber anstatt ihm Gelb zu zeigen, zückte der Unparteiische sofort die Rote Karte. Eine vertretbare, aber überzogene Entscheidung in einem bis dahin absolut fairen Spiel! Trotzdem besaßen die Löwen die erste Chance der Partie. Sandro Kaiser hatte sich auf links durchgesetzt, zielte anschließend aus sechs Metern fast von der Grundlinie aufs kurze Eck, doch Keeper Mathias Hain hatte aufgepasst, klärte zur Ecke (15.). Drei Minuten später die erste gefährliche Szene für die numerisch überlegenen Hamburger. Nach einer Ecke schlug Boll das Leder von links quer in den Strafraum. Florian Bruns war zur Stelle, köpft aber genau auf Löwen-Keeper Gabor Kiraly, der im Nachfassen das Leder festhalten konnte (18.). Fünf Minuten später wurden die Sechzger für ihren couragierten Auftritt belohnt. Aus dem Halbfeld flankte Dominik Stahl das Leder halblinks in den St.-Pauli-Strafraum, Stefan Aigner war als einziger gestartet, verlängerte den Ball ungestört aus 13 Metern mit dem Kopf über Torwart Hain hinweg ins lange Eck zum 1:0 (23.). Es war bereits Aigners sechster Treffer, womit er die alleinige Führung in der internen Torschützenliste übernahm. In der 31. Minute die nächste Chance für die Löwen. Sascha Rösler hatte von der linken Seite auf den langen Pfosten geflankt, Aigner verlängerte mit dem Kopf auf Djordje Rakic, der mit dem Rücken zum Tor den Ball ebenfalls köpfte, doch diesmal war Hain auf dem Posten. Riesenglück hatten die Sechzger zwei Minuten später. Nach einem abgewehrten Freistoß konnte Marius Ebbers völlig freistehend aus 13 Metern aufs Tor schießen, zielte aber um Zentimeter über die Querlatte (33.). In der 40. Minute prüfte Rösler Keeper Hain mit einem direkten Freistoß aus 25 Metern. Der Hamburger Schlussmann konnte den Schuss nur mit Mühe nach vorne wegfausten, doch ein Mitspieler klärte für ihn endgültig. In der 42. Minute erneut eine hundertprozentige Chance für die Hanseaten. Boll hatte aus dem rechten Halbfeld vors Tor geflankt, Ebbers war am Torraum da, köpfte gegen Kiralys Laufrichtung aufs kurze rechte Eck, doch der Löwen-Keeper brachte irgendwie noch die Hand dran, lenkte den Ball an den Pfosten (42.). Damit nahmen die Sechzger das 1:0 mit in die Pause, das zwar glücklich war, aber aufgrund der gezeigten Moral nach dem frühen Platzverweis gegen Pappas nicht unverdient.
St. Pauli machte direkt nach der Pause viel Druck und wurde in der 51. Minute belohnt. Ein zu kurz abgewehrter Ball kam zu Jan-Philipp Kalla am rechten Strafraumeck, der wollte eigentlich per Direktabnahme aufs Tor schießen, doch der Ball wäre links vorbeigegangen. Ebbers war jedoch gestartet, drückte den Ball am langen Pfosten per Kopf aus vier Metern über die Linie zum 1:1. Drei Minuten später beinahe die Führung für die Hanseaten. Richard Sukuta-Pasu kam auf der rechten Strafraumseite nach einem Zweikampf an den Ball, schoss aus zwölf Metern aufs lange Eck, der Ball prallte aber an den linken Pfosten, den Nachschuss von Deniz Naki parierte Kiraly (54.). Aber anstatt den Gästen gelang den Löwen in der 57. Minute die erneute Führung. Aleksandar Ignjovski hatte sich auf der linken Seite bis an die Grundlinie durchgetankt, legte zurück auf den heranbrausenden Aigner, der aus neun Metern per Direktabnahme zum 2:1 ins kurze Eck traf. Vier Minuten später war es Boll, der aus der zweiten Reihe abzog, sein Schuss aus 22 Metern konnte Kiraly mit den Fingerspitzen gerade noch über die Querlatte lenken (61.). Eine Minute später musste Radhouène Felhi Kopf und Kragen riskieren, um die Führung zu retten. Naki hatte vom rechten Strafraumeck auf den zweiten Pfosten geflankt, Ebbers legte per Kopf zurück auf Boll, der aus fünf Metern zum Schuss ausholte, aber Felhi sprang mit dem langen Bein dazwischen (62.). Für die Löwen gab es immer wieder Konterchancen. In der 72. Minute setzte sich Ignjovski auf der rechten Seite durch, legte ab auf den gerade eingewechselten Peniel Mlapa, dessen Schuss aufs lange Eck aus zehn Metern zu schwach war, so dass Hain parieren konnte (72.). Die nächste Möglichkeit hatten die Löwen nach einem Freistoß, den Rösler auf die rechte Torraumseite flankte, wo Torben Hoffmann den Ball per Kopf in die Mitte verlängerte, doch Felhi segelte sechs Meter vor dem Tor knapp am Leder vorbei (79.). In der Schlussphase spielten beide Teams mit offenem Visier, ohne dabei zu klaren Chancen zu kommen. Am Ende gewannen die Löwen zwar glücklich mit 2:1, aber vollkommen verdient.
Stenogramm zum Spiel
Das Spiel im Löwen TV (kostenpflichtig)