Die Löwen landeten gegen den MSV Duisburg beim 3:1 einen wichtigen Sieg. In beiden Hälften gelang dem Team von Ewald Lienen ein frühes Tor. José Holebas traf in der 5. Minute per Freistoß, Peniel Mlapa nach fünf Minuten in der 2. Halbzeit (50.). Nach dem Anschlusstreffer von Sören Larsen (61.) setzte Benjamin Lauth kurz vor dem Ende den Schlusspunkt (88.).Personal: Löwen-Trainer Ewald Lienen musste verletzungsbedingt auf Daniel Bierofka (Reha nach Bandscheiben-OP), Florin Lovin (Kreuzbandriss) und Ardijan Djokaj (Sprunggelenksverletzung) verzichten. Stefan Aigner fehlte wegen seiner Rotsperre. Erstmals im Kader und dann noch gleich in der Startelf stand Emanuel Biancucchi, der Cousin von Lionel Messi. Auch Peniel Mlapa, der auf St. Pauli seinen ersten Profitreffer erzielte, durfte erstmals von Beginn an ran.
Spielverlauf: Die Löwen begannen stark und wurden in der 5. Minute bereits mit der Führung belohnt. Nach einem sehenswerten Angriff konnte Sandro Kaiser kurz vor der Strafraumgrenze nur per Foul gebremst werden. Den indirekten Freistoß aus 17 Metern führte Torben Hoffmann aus, passte kurz auf Benjamin Lauth, der stoppte den Ball für den anlaufenden José Holebas, der an der Mauer vorbei aus 17 Metern flach ins rechte untere Eck zum 1:0 traf. Danach hatten die Weiß-Blauen einige Konterchancen, die jedoch leichtfertig vergeben wurden. Beinahe wäre den Duisburgern mit dem ersten Angriff der Ausgleich gelungen. Ex-Löwe Nicky Adler kam rechts im Strafraum aus 14 Metern zum Schuss, der Ball prallte an den linken Innenpfosten, von wo aus er zurück ins Feld sprang, ehe Radhouène Felhi klären konnte (21.). Danach erarbeiteten sich die Gäste ein leichtes Übergewicht. Trotzdem kam Kaiser in der 28. Minute unverhofft zur Chance zum 2:0. Peniel Mlapa und Björn Schlicke stiegen an der Strafraumgrenze zum Kopfball hoch, das Leder landete bei Kaiser am Elfmeterpunkt, der traf aber bei seinem Drehschuss den Ball nicht voll, so dass Torhüter Tom Starke klären konnte. Kurz vor dem Pausenpfiff der zweite Aluminiumtreffer für die Duisburger nach zwei individuellen Fehlern in der Löwen-Defensive. Erst schlug Aleksander Ignjovski im eigenen Strafraum über den Ball, dann rutschte Felhi aus, wodurch Christian Tiffert halbrechts im Strafraum aus 14 Metern unbedrängt zum Schuss kam, jedoch klatschte der Ball an den rechten Außenpfosten (41.).
Die 2. Halbzeit begann für Sechzig ähnlich furios wie die ersten 45 Minuten. Duisburg machte Druck und kassierte einen mustergültigen Konter in der Vorwärtsbewegung, den Lauth nach Hackenannahme einleitete. Der Kapitän spielte nach der Ballannahme einen Traumpass auf den startenden Peniel Mlapa in die Schnittstelle der Duisburger Viererkette. Der 18-jährige Löwen-Angreifer ließ Bernd Korzynietz stehen, traf mit links aus 13 Metern ins linke obere Eck zum 2:0 (50.). Der MSV gab aber auch nach dem neuerlichen Rückschlag nicht auf und kam in der 61. Minute zum Anschlusstreffer. Tiffert, der den Platz auf der rechten Außenbahn nutzte, lief Kaiser davon, kam an der rechten Strafraumseite zum Flanken, am ersten Pfosten war Sören Larsen einen Tick schneller als Felhi, bugsierte den Ball aus kurzer Distanz ins rechte untere Eck. Danach wurde Duisburg noch offensiver, drängte auf den Ausgleich, wodurch sich Kontermöglichkeiten für die Löwen ergaben. Doch diese wurden zunächst leichtfertig vergeben. In der 74. Minute war Kaiser auf der linken Seite durchgebrochen, seine Hereingabe auf den mitgelaufenen Mlapa am Torraum geriet etwas zu hoch. Aus dem Hintergrund kam jedoch Antonio Rukavina an den Ball, doch sein erster Schuss aus zehn Metern konnte ein Abwehrspieler blocken, in den zweiten warf sich beherzt Torhüter Starke, der endgültig klären konnte. Den Schlusspunkt setzte Kapitän Lauth in der 88. Minute höchstpersönlich. Ignjovski war links angespielt worden, lief alleine Richtung Tor, umdribbelte den herausgeeilten Keeper Starke auf der linken Strafraumseite, flankte fast von der Grundlinie in die Mitte, wo der heranstürmende Lauth in den Ball sprang und aus kurzer Distanz per Fuß zum 3:1-Endstand traf.
Stimmen zum Spiel„Wir sind heilfroh, dass wir die drei Punkte gemacht haben", sagte Löwen-Coach Ewald Lienen nach dem 3:1-Erfolg über den MSV Duisburg.
„Vor dem Spiel waren wir stark unter Druck gestanden, weil wir unserem Soll hinterherhinken", so der 55-Jährige. Deswegen sei er ein großes Risiko gegen den MSV eingegangen „mit vielen Offensiv-und sehr jungen Spielern", wie er erklärte. Nach der frühen Führung hätte es sein Team versäumt, das 2:0 noch vor der Pause nachzulegen. „Dann landete beim ersten Duisburger Angriff der Ball am Pfosten", beschreibt er den Spielverlauf. „Die Belohnung haben wir dann zu Beginn der 2. Halbzeit bekommen. Leider hat uns dieser Treffer nicht die nötige Sicherheit gegeben. Danach haben wir sehr gewackelt, gerade über unsere linke Verteidigungsseite, wo Christian Tiffert sehr viel Druck gemacht hat." Lienen brachte anschließend Benny Schwarz für Emanuel Biancucchi, wodurch sein Team wieder besser stand. „Danach haben wir die Partie in den Griff bekommen. Das 3:1 hat dann die Nerven endgültig beruhigt."
Duisburgs Coach Peter Neururer sprach von einem verdienten Löwen-Sieg. „Alle neutralen Beobachter haben ein fantastisches Zweitliga-Spiel gesehen, das Sechzig kurios gewonnen hat." Dabei sprach Neururer die beiden schnellen Treffer zu Beginn beider Hälften an. „Die Löwen haben zwei Situationen ausgenutzt, wo wir noch in der Kabine waren. Vor dem 1:0 hätten wir schon dreimal klären können, dann hätte es keinen Freistoß gegeben. Ab der Mitte der 1. Halbzeit haben wir das Spiel dominiert, hatten aber Pech bei zwei Pfostenschüssen. Aber in dieser Phase hat die Leidenschaft bei meinem Team gestimmt." In der Pause habe man sich viel vorgenommen. „Und dann kassieren wir gleich wieder einen Rückschlag", konnte es der Duisburger Coach kaum fassen. Sein Fazit des Spiels: „Auf die Leistungsbereitschaft müssen wir in den nächsten Spielen aufbauen und auf bessere Tage für den MSV hoffen."
Peniel Mlapa, der erstmals in der Startelf stand und sein zweites Tor in Folge erzielte, strahlte nach dem Spiel übers ganze Gesicht. Der 18-Jährige widmete den Treffer seinen Eltern. „Die fördern mich seit elf Jahren, seit ich bei den Löwen spiele, fahren mich immer zum Training", sagte der in Togo geborene Angreifer, der vergangene Woche sein Debüt in der deutschen U19-Nationalmannschaft feierte, sich mit der DFB-Auswahl in der Vorqualifikation zur Europameisterschaft durchsetzte. „In der Startelf bei den Löwen zu stehen, war aber das größere Erlebnis", sagte er. Als Torgarant sieht er sich trotzdem nicht. „So weit bin ich noch nicht", schätzt er sich realistisch ein. „Es war heute ein gutes Spiel von uns. Wir haben Duisburg dominiert und verdient gewonnen." Der Trainer habe ihm schon vor der Saison gesagt, dass er seine Chance bei den Profis bekommen würde. „Und die habe ich jetzt genutzt", erklärte er selbstsicher. Beim Abschlusstraining habe er erfahren, dass er von Beginn an spielen werde. „Vor dem Anpfiff war ich schon mächtig aufgeregt, aber mit Spielbeginn hat sich das schlagartig gelegt. Danach war es ein Spiel wie jedes andere."
Lob bekam der Youngster auch von seinem Sturmkollegen Benjamin Lauth. „Pene hat gut die Bälle gehalten, sie schön weitergespielt und sich durch das Tor selbst belohnt", so seine Einschätzung. Der Kapitän sprach von einem verdienten Sieg, „auch wenn wir uns zwischenzeitlich das Leben wieder selbst schwer gemacht haben. Wir hätten die Partie viel früher entscheiden müssen. Jetzt liegt es an uns, mal auswärts zu gewinnen, um den Anschluss nach oben herzustellen." Kritikpunkt des 28-Jährigen war, dass man die Konter zu überhastet abgeschlossen habe. „Das müssen wir uns nochmals anschauen und in Ruhe analysieren. Nach vorne haben wir ordentliche Kombinationen gehabt." Er selbst fühlte sich spritzig. „Die Pause hat mir gutgetan", sagte er. „Die Tabelle schaut jetzt wieder schöner aus, aber wir müssen unbedingt in Frankfurt nachlegen." Lob hatte er auch für Debütant Emanuel Biancucchi parat. „Er hat frech aufgespielt, nach vorne Schwung gebracht und viele Freistöße herausgeholt." Das Training bei den Profis habe dem 21-Jährigen gutgetan. „Er steckt die Härte jetzt besser weg." Den einzigen Kritikpunkt am Argentinier sei sein schlechtes Deutsch. „Die Verständigung ist schwer, dabei ist er schon lange hier. ‚Ema‘ muss das unbedingt ändern." Für das Spiel am kommenden Samstag beim FSV Frankfurt hofft der Kapitän, „dass jeder jetzt so heiß ist, dass wir auch dort gewinnen".
Stenogramm zum Spiel
Das Spiel im Löwen TV (kostenpflichtig)